Ein Weihnachten für Polli

Es war eine kalte Dezembernacht in Wietzendorf. Feiner Frost glitzerte auf den Feldern rund um das Dorf, und aus vielen Schornsteinen stieg gemütlicher Rauch in den klaren Winterhimmel. Mitten im Dorf, dort wo man sich sonst im Herbst zum Honigfest trifft, summte es leise in einem kleinen, warmen Bienenhaus.
Dort wohnte Polli – die Honigfest-Biene.
Früher war sie einfach nur die Honigfest-Biene gewesen. Doch beim letzten Honigfest, an ihrem 25. Geburtstag, hatte sie endlich einen Namen bekommen. Seitdem trug sie ihn mit Stolz: „Polli“, summte sie zufrieden, „dat passt. Dat bin ick“.
Polli liebte den Winter. Zwar konnte sie nicht wie im Sommer von Blüte zu Blüte fliegen, doch der Winter schenkte ihr Zeit zum Nachdenken – und zum Träumen. Besonders jetzt, kurz vor Weihnachten.
„Nur noch wenige Tage bis zum großen Fest“, summte Polli und schaute durch das kleine Fenster hinaus auf den Rathausplatz. An Häusern hingen Lichterketten, und im Wind schaukelten sanft die geschmückten Tannenzweige des großen Weihnachtsbaumes, der jedes Jahr wieder auf dem Rathausplatz stand. Wietzendorf war bereit für Weihnachten.
Sie dachte zurück an das Honigfest, als das ganze Dorf zusammenkam:
der Verkehrsverein, der alles auf die Beine stellte, der Imkerverein mit Honig, Getränken, Bienenzaun und Kinderaktion, die Landfrauen mit ihren Kränzen und der berühmten Hochzeitssuppe, das Landvolk mit knusprigen Kartoffelpuffern, Landjugend und TSV mit Nagelbalken und Bierwagen, der Musikverein mit Klängen auf der Bühne oder als Walk Act unterwegs auf den Straßen, Schulverein und Kitas mit dem bunten Kinderland, dazu Besucher aus dem Dorf und Schau- und Aussteller aus der Umgebung – wie ein kleiner Rummel.
„Dat is Wietzendorf“, summte Polli leise. „Alle zusammen. Das macht uns stark.“
Doch jetzt war Dezember. Und Polli fragte sich:
„Was macht man eigentlich an Weihnachten, wenn man eine Biene ist?“ Honig hatte sie genug gesammelt, das war klar. Aber Weihnachten war mehr als Honig. Weihnachten war Gemeinschaft. Und davon gab es in Wietzendorf reichlich.
Am 23. Dezember machte sie sich auf den Weg. Dick eingepackt in einen kleinen Wollschal – ein Geschenk der Dorfkinder – flog sie vorsichtig zum Peetshof. Dort fand jedes Jahr etwas ganz Besonderes statt: das „Kino im Schafstall“.
Polli schlüpfte durch einen Spalt im Holz und staunte. Eine große Leinwand war aufgebaut, Menschen saßen dicht beieinander, in Jacken und Decken gehüllt und hielten dampfende Tassen in den Händen. Auf der Leinwand flimmerte ein Film, und überall roch es nach heißem Glühwein.
Polli setzte sich auf einen Balken und summte zufrieden.
„So fühlt sich Weihnachten an“, dachte sie. „Gemeinsam lachen, gemeinsam staunen.“
Am nächsten Tag, dem Heiligabend, lag eine besondere Spannung im Dorf. Nachmittags kamen die Menschen beim traditionellen Krippenspiel in der Kirche zusammen und gegen Abend versammelten sie sich draußen, warm angezogen und erwartungsvoll auf dem Rathausplatz. Dann erklangen die ersten Töne des Turmbläsers aus dem Fenster im Obergeschoss des Rathauses. Polli setzte sich hoch oben auf einen Fensterrahmen und schaute hinab:
Menschen rückten näher zusammen, Kinder schauten staunend nach oben,
und alle lauschten der Musik.
Die Lieder zogen durch das Dorf, über Felder und Wälder, bis weit hinaus. Polli spürte, wie ihr das Herz ganz warm wurde.
„Ich weiß jetzt, was Weihnachten ist“, summte sie leise. „Es ist wie Honig – nur für die Seele.“
Spontan kam Polli eine Idee. Noch in derselben Nacht flog sie zu den Einwohnern des Dorfes. Vorsichtig klopfte sie an Fenster und Türen.
Am nächsten Morgen stand auf vielen Tischen in Wietzendorf ein kleines Glas Honig. Darauf klebte ein Zettel:
„Für ein süßes Weihnachten.
Von Polli“
Beim Frühstück wurde gestaunt, gelacht und erzählt. Manche erzählten von Polli, andere vom Weihnachtsfest, wieder andere davon, wie schön es sei, in einem Dorf zu leben, in dem man sich kennt.
Und Polli? Die saß zufrieden in ihrem Bienenhaus, schaute hinaus auf Wietzendorf und summte ein Weihnachtslied.
Sie wusste jetzt:
Solange es Gemeinschaft gibt, solange Menschen zusammenkommen – beim Honigfest, beim lebendigen Adventskalender, im Schafstall, beim Turmblasen oder in der Kirche – solange hat auch eine kleine Honigbiene das schönste Weihnachten der Welt.
Und vielleicht – ganz vielleicht – schmeckt es dann ein bisschen nach Honig.
Frohe Weihnachten aus dem Honigdorf Wietzendorf – wünscht Polli. 🐝🎄
Eine Weihnachtsgeschichte zum lebendigen Adventskalender am 18.12.2025
Geschichte und Coverbild mit Unterstüzung einer KI (ChatGPT) erstellt.
Am lebendigen Adventskalender vorgetragen von der
Wietzendorf Touristik
Verkehrsverein Wietzendorf e. V.
Kampstraße 4
29649 Wietzendorf